Zwischen Insel und Festland – Herbsttage in Callantsoog 2019

Callantsoog Herbst 2019

Nach der Woche auf Texel fühlte sich Callantsoog im Oktober 2019 fast wie das bewusste Gegenstück zur Insel an. Die Fähre lag hinter uns, ebenso die weiteren Wege über Texel. Mit dem Wechsel aufs Festland änderte sich auch der Rhythmus der Reise. Callantsoog war für uns längst kein Ort mehr, den man erst entdecken musste. Eher ein vertrauter Küstenort, zu dem wir immer wieder zurückkehrten – oft ein- oder zweimal im Jahr, meistens mit einer Unterkunft im Ferienpark De Blenck.

Schon deshalb begann dieser Teil des Urlaubs erstaunlich unspektakulär. Nach der Ankunft ging es nicht zuerst zu irgendwelchen Sehenswürdigkeiten, sondern fast automatisch Richtung Strand. Kurz noch durch den Ort, dann wieder dieses vertraute Bild: breite Dünen, der Wind von der Nordsee und die langen Wege zwischen Ferienhaus, Strandzugang und Ortskern, die wir inzwischen beinahe auswendig kannten.

Die Tage in Callantsoog hatten einen ganz anderen Charakter als die Woche zuvor auf Texel. Weniger Inselgefühl, weniger Wetterdramatik – dafür mehr Ruhe und Vertrautheit. Vieles spielte sich auf kurzen Wegen ab. Vormittags mit dem Fahrrad zum Strand, später zurück zur Unterkunft, nachmittags noch einmal hinaus in die Dünen oder in den Ort. Gerade diese kleinen Fahrten gehörten dort inzwischen einfach dazu. Die Fahrräder waren weniger für große Etappen gedacht als für genau diese Mischung aus Alltag und Urlaub.

Das Wetter zeigte sich deutlich freundlicher als auf Texel, blieb aber typisch nordsee-herbstlich. Mal lag die Küste ruhig unter hellem Himmel, wenige Stunden später zog wieder eine dunkle Wolkenfront vom Meer heran. Besonders am späten Nachmittag entstanden über Strand und Dünen diese typischen Herbstfarben, die Nordholland im Oktober oft fast schöner wirken lassen als im Sommer.

Allerdings war der Strand in diesem Herbst nicht nur Naturkulisse. Direkt vor Callantsoog wurde damals eine größere Strandaufspülung durchgeführt. Immer wieder lagen lange Rohrleitungen über dem Strand, große Bagger bewegten Sandmassen, und draußen vor der Küste arbeitete ein Saugschiff, das ständig neuen Sand an Land pumpte. Gerade bei Spaziergängen oder den kleinen Fahrradrunden entlang der Küste gehörten diese Maschinen fast schon automatisch zum Bild dazu.

Trotzdem wirkte die Atmosphäre nie störend. Eher faszinierend. Besonders vom Strand aus konnte man beobachten, wie die Rohre sich über hunderte Meter durch den Sand zogen, während die schweren Maschinen langsam neue Dünen- und Strandbereiche formten. Zusammen mit Wind, Wolken und dem grauen Herbstlicht entstand dadurch stellenweise fast eine industrielle Nordsee-Stimmung, die erstaunlich gut zu dieser Jahreszeit passte.

Einige Wege führten wieder Richtung Süden. Die Dünenlandschaften zwischen Callantsoog, Groote Keeten und Sint Maartenszee gehörten längst zu den vertrauten Strecken. Dort wirkte alles ruhiger als in der Hauptsaison. Strandaufgänge lagen fast leer zwischen dem Dünengras, und selbst an den Strandpavillons blieb die Stimmung entspannt. Genau diese Mischung machte den Ort für uns über Jahre attraktiv: genug Leben, aber nie hektisch.

Auch der Bereich rund um das Naturgebiet Het Zwanenwater gehörte wieder zu den Orten, die man automatisch mit Callantsoog verband. Die Wege dort wirkten im Herbst beinahe noch eindrucksvoller als im Sommer – niedrig stehende Sonne, kräftiger Wind und diese weiten Flächen zwischen Dünenseen und Küste. Vieles daran war uns längst vertraut, aber genau deshalb fühlte es sich nicht langweilig an, sondern eher wie ein Wiedersehen.

Der einzige deutlich größere Ausflug führte diesmal Richtung Den Helder. Von Callantsoog aus ging es entlang der Küste weiter nach Norden. Unterwegs änderte sich die Landschaft langsam: weniger Ferienhäuser, dafür mehr offene Flächen, Deiche und technische Anlagen rund um den Marine- und Hafenstandort Den Helder. Die Stadt selbst wirkte rauer und funktionaler als die kleineren Badeorte weiter südlich. Trotzdem gehörte dieser Ausflug irgendwie zu Nordholland dazu – gerade weil Den Helder so anders war als das ruhige Callantsoog.

An den übrigen Tagen blieb der Urlaub erstaunlich nah am eigenen Rhythmus. Keine großen Ortswechsel, keine langen Autofahrten, kein dichtes Programm. Stattdessen viele kleine Wege: morgens frische Brötchen holen, später mit dem Rad zum Strand, zwischendurch ein Spaziergang durch den Ort oder noch einmal hinaus ans Meer, wenn das Abendlicht über den Dünen lag.

Vielleicht war genau das der Grund, warum Callantsoog über die Jahre zu einem festen Bestandteil unserer Reisen wurde. Nicht wegen einzelner spektakulärer Sehenswürdigkeiten, sondern wegen dieses Gefühls, dort sofort wieder anzukommen. De Blenck, die vertrauten Wege zum Strand, die kurzen Fahrradrunden, der Wind über den Dünen und die Nordsee direkt hinter dem Ort – all das gehörte im Herbst 2019 längst zu einem vertrauten Ablauf, der sich eher wie ein zweites Zuhause auf Zeit anfühlte als wie ein gewöhnlicher Urlaubsort.

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