
Ende September 2019 begann unser Nordholland-Urlaub zunächst nicht in Callantsoog, sondern auf Texel. Während Callantsoog für uns längst ein vertrauter Ort geworden war, war Texel damals etwas Neues. Genau das machte diese Woche besonders: eine Insel, die rauer, offener und wetterbestimmter wirkte als vieles, was wir zuvor an der niederländischen Küste erlebt hatten.
Schon die Überfahrt mit der Fähre von Den Helder nach Texel gehörte dabei fest zum Beginn des Urlaubs. Hinter dem Schiff verschwand langsam das Festland, Möwen begleiteten die Fähre, und vor uns lag diese weite Insel zwischen Nordsee und Wattenmeer.
Unsere Unterkunft lag im Bungalowpark Slufteroord im Norden Texels, nahe De Cocksdorp und nur wenige Minuten von den Landschaften rund um De Slufter entfernt. Gerade dieser Teil der Insel passte perfekt zur Jahreszeit: offene Flächen, Dünen, Schafe hinter den Deichen und ständig Wind von der Nordsee.
Das Wetter zeigte sich allerdings oft von seiner härteren Seite. Die letzten Septembertage 2019 waren an der Küste ausgesprochen nass. Immer wieder zogen kräftige Regenfronten über die Insel, oft begleitet von starkem Wind. Teilweise regnete es stundenlang. Mehrfach hatten wir eigentlich vor, längere Fahrradtouren zu machen, entschieden uns dann aber doch dagegen oder verkürzten geplante Strecken deutlich, weil bereits die nächsten dunklen Wolken über den Dünen auftauchten.
Gerade auf Texel spürt man schlechtes Wetter unmittelbar. Es gibt kaum geschützte Bereiche, der Wind kommt fast ungebremst über die Insel, und selbst kurze Regenphasen fühlen sich dort deutlich intensiver an als zuhause. Gleichzeitig gehörte genau das irgendwie zur Stimmung dieser Reise. Keine perfekte Postkartenkulisse, sondern echtes Nordsee-Herbstwetter.
Trotzdem waren wir immer wieder mit den Fahrrädern unterwegs. Rund um De Slufter und De Cocksdorp eigneten sich die Wege perfekt für kleinere Touren zwischen Dünen, Küstenabschnitten und den offenen Landschaften im Norden der Insel. Anfang Oktober entstand dabei auch eine längere Fahrradrunde von fast zehn Kilometern durch den nördlichen Inselbereich. Die Strecke führte vom Bereich Slufteroord hinaus Richtung Küste und später wieder zurück — mal bei leichtem Nieselregen, mal mit kurzen trockenen Abschnitten und gelegentlich sogar etwas Sonne zwischen den Wolken.
An anderen Tagen blieb es eher bei kleineren Fahrten oder spontanen Wegen zwischen Unterkunft, Küste und den umliegenden Orten. Immer wieder zwang uns der Regen zu Pausen oder dazu, kurzfristig umzudisponieren. Gerade dadurch wirkte die Woche aber erstaunlich entschleunigt. Vieles entstand spontan aus dem Wetter heraus.
Natürlich gehörten auch einige typische Orte Texels dazu. Rund um De Cocksdorp führte der Weg mehrfach Richtung Nordspitze der Insel. Dort steht der bekannte rote Leuchtturm von Texel, der bei grauem Himmel fast noch eindrucksvoller wirkte als bei Sonne. Bei einem Besuch ging es auch hinauf auf den Leuchtturm. Von oben zeigte sich die Insel noch einmal ganz anders: die Dünenlandschaften im Norden, die Nordsee auf der einen Seite und das Wattenmeer auf der anderen. Gerade bei dem wechselhaften Wetter mit Regenwolken und einzelnen sonnigen Abschnitten wirkte die Aussicht dort oben besonders beeindruckend.
Ein besonderer Ausflug führte uns außerdem nach Ecomare bei De Koog. Gerade an einem regnerischen Herbsttag passte dieser Besuch perfekt. Während draußen Wind und Regen über die Insel zogen, beschäftigten wir uns dort mit Seehunden, Schweinswalen, Wattenmeer und der Natur rund um die Nordsee. Besonders die Robben und Schweinswale blieben in Erinnerung und machten den Besuch zu einem der Highlights dieser Texel-Woche.
Ein weiterer Ausflug führte uns ins Maritiem- en Juttersmuseum Flora. Das Museum sammelt seit Jahrzehnten Strandgut, das an Texels Küsten angespült wurde — von kuriosen Kleinteilen bis hin zu großen Schiffsteilen und Rettungsgeräten. Gerade nach mehreren Tagen mit Sturm, Regen und rauer Nordsee passte dieser Ort perfekt zur Stimmung der Insel. Vieles dort wirkte wie eine direkte Verlängerung dessen, was draußen an den Stränden und Dünen ständig spürbar war.
Auch fotografisch blieb die Woche auf Texel besonders in Erinnerung. Immer wieder hoffte ich nachts auf Wolkenlücken, um Langzeitbelichtungen vom Sternenhimmel aufzunehmen. Gerade der Norden Texels gilt wegen der vergleichsweise geringen Lichtverschmutzung als besonderer Ort für Nachtaufnahmen. Allerdings machte das Wetter die Sache nicht einfach. Häufig zogen dichte Wolken über die Insel, manchmal öffnete sich der Himmel nur für wenige Minuten, bevor erneut Regen oder Nebel aufzogen. Genau diese Mischung aus Dunkelheit, Wind und ständig wechselndem Himmel machte die nächtliche Stimmung auf Texel aber besonders eindrucksvoll.
Auch die Fahrten über die Insel selbst blieben in Erinnerung. Texel wirkte deutlich größer, als man zunächst erwartet hätte. Zwischen den Orten wechselten sich Dünen, Schafweiden, kleine Straßen und immer wieder neue Ausblicke Richtung Meer ab. Besonders nach Regenschauern entstanden dabei oft diese typischen Herbstbilder: dunkle Wolken über den Dünen, nasse Straßen und plötzlich Sonnenlicht, das für wenige Minuten die ganze Landschaft veränderte.
Zum Ende der Woche wurde das Wetter langsam freundlicher. Die letzten Tage wirkten etwas ruhiger und trockener, bevor es schließlich wieder Richtung Fähre und zurück aufs Festland ging. Danach begann mit Callantsoog noch der zweite Teil der Reise — deutlich ruhiger, vertrauter und weniger wetterbestimmt.
Gerade diese Kombination machte den Urlaub im Herbst 2019 rückblickend besonders: erst eine windige, regnerische Inselwoche auf Texel mit viel Wetter, spontanen Wegen, eindrucksvoller Natur und dunklem Nachthimmel — danach das entspanntere Wiederankommen in Callantsoog.





